Hurtigruten ab Hamburg: Unsere Erfahrungen mit der Nordkap-Linie

Blick vom Deck der MS Finnmarken auf den Hjørundfjord bei Sæbø in Norwegen
Ausfahrt aus Sæbø: Die Gäste genießen vom Deck der MS Finnmarken den Blick auf den Hjørundfjord. Foto: Bordfotografin Cat Gundry-Beck

Über die Reisende

Maren Sternberg aus Cuxhaven reiste vom 26. Juni bis zum 10. Juli 2026 mit der MS Finnmarken auf der Nordkap-Linie ab Hamburg. In diesem persönlichen Erfahrungsbericht schildert unsere Kundin ihre Eindrücke von der Reise entlang der norwegischen Küste.

Warum wir uns für die Nordkap-Linie ab Hamburg entschieden haben

Am Anfang unserer Reise stand der Wunsch eines Mitreisenden, einmal im Leben das Nordkap zu besuchen. Zunächst überlegten wir, auf welche Weise wir dorthin reisen könnten. Schon bald stand jedoch fest, mit dem Schiff dorthin zu reisen.

Zum einen versprachen wir uns davon eine entspannte und komfortable Reise, zum anderen bot sich die Gelegenheit, entlang der norwegischen Küste schöne Häfen, Städte und vor allem beeindruckende Fjorde kennenzulernen. So war schnell klar, dass nicht nur das Nordkap selbst das Ziel sein sollte, sondern auch der Weg dorthin ein wesentlicher Teil der Reise werden würde.

Grundsätzlich bin ich kein Fan von klassischen Kreuzfahrten, insbesondere aufgrund des damit verbundenen Massentourismus, aber auch wegen des Umweltfaktors. Dennoch finde ich das Konzept einer Kreuzfahrt praktisch, da man komfortabel reisen und verschiedene Orte kennenlernen kann.

Die Schiffe von Hurtigruten stellen für mich eine sehr gute Alternative dar. Einerseits sind die Schiffe im Vergleich zu anderen Kreuzfahrtschiffen deutlich kleiner, andererseits ist die Hurtigruten-Reise stärker auf die Fjordwelt und ein authentisches Norwegen-Erlebnis ausgerichtet. Zudem schafft die überschaubare Anzahl an Passagieren – bei unserer Tour waren es nicht mehr als 440 Gäste – eine angenehme Atmosphäre.

Außerdem hat mich die MS Finnmarken angesprochen, da das Schiff mit einem Hybridantrieb ausgestattet ist und zusätzlich über die Möglichkeit verfügt, in Häfen mit Landstromversorgung Strom vom Land zu beziehen.

Die Nordkap-Linie von Hurtigruten hat schließlich aus mehreren Gründen überzeugt.

Besonders attraktiv war die Einschiffung in Hamburg, die eine leichte Anreise innerhalb Deutschlands ermöglichte. Hamburg ist sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn gut erreichbar, sodass wir ohne Flug oder umständliche Umstiege in den Urlaub starten konnten. Zudem hatte es seinen ganz eigenen Reiz, die Reise im Hamburger Hafen zu beginnen.

Gleichzeitig ist die Nordkap-Linie eine in sich geschlossene Tour und bietet im Vergleich zur klassischen Hurtigruten-Postschiffroute meist längere Aufenthalte in den Häfen, wodurch mehr Zeit bleibt, die jeweiligen Städte und Orte zu erkunden.

Die Vorfreude auf diese Reise war entsprechend groß. Von Anfang an freuten wir uns darauf, etwas Besonderes zu erleben: die imposanten Fjorde und die Natur Norwegens vom Wasser aus und bei Landgängen zu entdecken und gleichzeitig die Zeit an Bord entspannt genießen zu können.

Hinsichtlich der Route und des Schiffes bestand von Anfang an ein gutes Gefühl. Der geplante Reiseverlauf, die möglichen Landausflüge und die Informationen zu den Hafenorten gaben eine gute Orientierung. Gleichzeitig war uns bewusst, dass sich manches im Laufe der Reise ergeben würde.

Eigentlich bestand nur die Sorge, ob man seekrank werden würde. Auch wenn es gute Möglichkeiten zur Vorbeugung gibt, kann einen die Seekrankheit unerwartet treffen – und dann macht selbst der schönste Ort keinen Spaß mehr.

Von Hamburg aus beginnt die Reise

Den allerersten Part – die Einschiffung – habe ich als gut organisiert wahrgenommen. Vorab wurden uns per E-Mail feste Zeiten für die persönliche Einschiffung mitgeteilt. Außerdem bestand die Möglichkeit, das Gepäck bereits früher am Terminal abzugeben, womit ein entspannter Start in die Reise möglich war.

Auch der Check-in verlief einfach und reibungslos. Dabei erhielten wir bereits die ersten wichtigen Informationen für unseren Aufenthalt an Bord.

Der erste Moment an Bord wirkte zwar noch etwas unübersichtlich – vermutlich auch aufgrund der eigenen Aufregung. Doch schon nach kurzer Zeit legte sich dieser Eindruck.

Mein erster Eindruck vom Schiff war durchweg positiv. Das moderne und stilvolle Design vermittelte sofort eine angenehme Atmosphäre. Geschmackvoll und schlicht eingerichtete Bereiche sowie die klare, skandinavisch geprägte Gestaltung sorgten für ein elegantes und zugleich komfortables Ambiente. Das Schiff wirkte auf mich einladend, ohne dabei aufdringlich zu sein.

Als Hamburg langsam hinter uns verschwand, war es ein schönes und irgendwie auch aufregendes Gefühl – ein bisschen wie der Aufbruch in ein kleines großes Abenteuer. Die Reise war lange im Voraus geplant und erwartet worden, und als das Schiff schließlich ablegte, war es so weit. Von daher fühlte es sich gut an, Hamburg „Tschüss“ zu sagen.

Das eigentliche Urlaubsgefühl stellte sich nach und nach ein: Die Kabine war bezogen, der Koffer ausgepackt und die ersten Abläufe an Bord vertraut. So begann mit dem offiziellen „Welcome“ der Crew schließlich ein entspannter Sommerabend.

Ja, ich glaube tatsächlich, dass mit der Vorbeifahrt an Cuxhaven für mich das Gefühl von Urlaub einsetzte. Die Elbe wurde zur Nordsee, das Festland rückte weiter in die Ferne und mit jedem Meter wuchs die Vorfreude auf die kommenden zwei Wochen und vor allem auf Norwegen.

Unsere Innenkabine auf Deck 5: War das die richtige Entscheidung?

Wir hatten uns für eine K2 POLAR Innenkabine auf Deck 5 entschieden. Ausschlaggebend war für uns eine gute Kombination aus Komfort und Preis. Dabei erwies sich die Lage der Kabine als nahezu perfekt: In beide Richtungen waren es nur wenige Schritte bis zu den Ausgängen auf das Außendeck – ideal, um jederzeit nach draußen zu gehen und die Aussicht zu genießen.

Mein erster Eindruck von der Kabine war sehr positiv. Sie war hell und durchdacht eingerichtet. Das schlichte Design verlieh ihr einen modernen, skandinavisch geprägten Charakter und ließ sie trotz ihrer überschaubaren Größe überraschend behaglich wirken.

Von der Größe her war die Kabine für uns vollkommen ausreichend. Sie war sogar etwas größer als vergleichbare Außenkabinen und bot genügend Bewegungsfreiheit. Auch für unsere Sachen gab es ausreichend Stauraum, sodass sich selbst der Koffer gut im Schrank oder unter dem Bett verstauen ließ.

Auch hinsichtlich der Geräusche waren wir mit unserer Kabine sehr zufrieden. Von den beiden belegten Nachbarkabinen haben wir nichts gehört. Lediglich ein gewisses Betriebsgeräusch des Schiffes war gelegentlich wahrnehmbar, was ich jedoch nicht als störend empfunden habe.

Der einzige kleine Wermutstropfen war das fehlende Fenster. Gerade morgens oder abends hätte ich gerne direkt gesehen, wie das Wetter draußen ist und welche Lichtverhältnisse herrschen.

Natürlich waren es von unserer Kabine nur wenige Schritte bis nach draußen. Dennoch fehlte dieser unmittelbare Blick gelegentlich. Als praktische Alternative diente die Brückenkamera, deren Livebild auf den Fernseher in der Kabine übertragen wurde und jederzeit einen Eindruck von der Stimmung draußen vermittelte.

Wie sich ein ganz normaler Tag auf der MS Finnmarken anfühlt

Mein Tag begann zumeist gegen 7:15 Uhr. Noch in der Kabine schaute ich zunächst auf die Brückenkamera, bevor es nach draußen zum Aussichtsdeck am Bug auf Deck 5 ging. So startete ich besonders gerne in den Morgen, um zu sehen, wo sich das Schiff befand, die Küste zu beobachten und dem Meeresrauschen zu lauschen.

Am Morgen gab es außerdem eine Begrüßung durch das Expeditionsteam mit Informationen zum Tag, zu unserem Standort und zu den geplanten Touren.

Danach ging es zum Frühstück. Wie der weitere Tag aussah, hing davon ab, ob wir einen Hafen anliefen oder längere Zeit auf See waren. Entsprechend wechselten sich Landausflüge und eigene Erkundungen mit der Zeit an Bord ab.

Während der Stunden auf See habe ich viel Zeit draußen an Deck verbracht, was sicherlich auch daran lag, dass wir mit dem Wetter großes Glück hatten. Aber selbst Wolken, Wind oder etwas Nieselregen haben mich nicht davon abgehalten, nach draußen zu gehen.

Daneben gab es an Bord immer wieder Vorträge und andere Aktivitäten. Täglich konnte man einen oder mehrere Vorträge besuchen, deren Themen sehr vielfältig waren: von landestypischen Souvenirs über die Entstehung und Entwicklung der Fjorde, der Atlantikküste und der Nordsee bis hin zur Geschichte der MS Finnmarken und von Hurtigruten, deren norwegische Küstenroute seit 1893 besteht. Viele Vorträge widmeten sich der Geografie und Geologie des Nordens sowie der norwegischen Küche oder gaben Tipps zur Fotografie.

Zur Mittagszeit luden die Restaurants zum Lunch ein, während am Nachmittag die Kaffeestunde in der Panorama-Lounge Gelegenheit bot, bei einer Tasse Kaffee oder Tee mit Gebäck die Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft zu genießen. Dabei blieb eigentlich immer genügend Zeit zum Entspannen – sowohl an Bord als auch während der Aufenthalte an Land.

Am Abend gab es gemeinsame Treffen mit dem Expeditionsteam, bei denen unter anderem die Wanderungen und der nächste Hafen vorgestellt wurden. So konnte man sich auf den kommenden Tag einstimmen und die Vorfreude wachsen lassen.

Und nach dem Abendessen musste der Tag noch lange nicht zu Ende sein. So gab es die Gelegenheit, an verschiedenen Programmpunkten teilzunehmen: traditionelle norwegische Musik mit Folk, Klassik und samischer Musik, ein stimmungsvolles Livekonzert mit Diashow der Bord- und Expeditionsfotografin Cat sowie Vorträge und Filmvorführungen. Ebenso schön war es, auf Deck 4 Karten zu spielen, sich mit einem Buch aus einem der Bücherregale in eine gemütliche Ecke zu setzen oder den Abend in der Bar ausklingen zu lassen.

Und natürlich lohnte sich zudem immer ein Spaziergang an Deck.

Denn bei all diesen Möglichkeiten standen weniger Unterhaltung und Kulinarik im Mittelpunkt als vielmehr Norwegen selbst. Schließlich hielt jeder Tag entlang der Küstenroute vielfältige Eindrücke bereit. Mit jeder Seemeile eröffneten sich neue Blicke auf die norwegische Küste – auf markante Küstenformationen, kleine Inseln, zahlreiche Wasserfälle und atemberaubende Landschaften, die in stetigem Wechsel vorüberzogen.

Langeweile kam während der Reise jedenfalls nicht auf: Es war eine angenehme Mischung aus Landausflügen, Vorträgen und Aktivitäten an Deck. Dabei war es eine schöne Abwechslung, beispielsweise an einem Cocktail-Workshop teilzunehmen oder kulinarisch in die norwegische Kultur einzutauchen, um bei Verkostungen regionale Spezialitäten zu probieren – etwa Fenalår, gepökeltes Lammfleisch mit Aquavit, Lyngen-Garnelen oder getrocknetes Rentierfleisch zum Kaffee.

Außerdem boten der kleine Pool sowie der Spa- und Fitnessbereich weitere schöne Möglichkeiten, den Aufenthalt an Bord nach den eigenen Wünschen zu gestalten.

Daneben blieb immer genügend Zeit für sich selbst und zum Beobachten der Naturkulisse. So vergingen die Tage viel zu schnell und boten immer wieder neue faszinierende Eindrücke.

Das Expeditionsteam: Warum wir unterwegs mehr gesehen haben

Das Expeditionsteam war während der gesamten Reise ein wichtiger Begleiter. Es informierte über die kommenden Häfen und Ausflüge, beriet bei Wanderungen und anderen Aktivitäten und war auch sonst immer wieder präsent.

Besonders positiv empfand ich die umsichtige Art des Teams. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gäste wurden mitbedacht, und auch bei kurzfristigen Herausforderungen wurde stets nach individuellen Lösungen gesucht – sei es bei einer bereits ausgebuchten Tour oder wenn bei einem Ausflug plötzlich ein Bus fehlte.

Fast täglich gab es Vorträge zu unterschiedlichen Themen. Dabei waren die persönlichen Erfahrungen von Udo, dem Leiter des Expeditionsteams, ein Highlight. Er berichtete von der Polarexpedition MOSAiC mit dem Forschungsschiff Polarstern und gab eindrucksvolle Einblicke in das Leben und Arbeiten im Herzen der Arktis sowie von Grönland. Mit seinen authentischen Schilderungen brachte er uns diese außergewöhnliche Welt ein Stück näher und vermittelte ein anschauliches Bild von einer der letzten großen Wildnisregionen.

Auch Carl Henrik und Björn sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Carl Henrik erzählte uns beispielsweise von den Wanderungen, den nächsten Häfen und dem Leben in Norwegen, wo er uns zugleich die Philosophie des Friluftsliv näherbrachte – eine norwegische Lebensweise, bei der es darum geht, die Natur bewusst zu erleben und viel Zeit im Freien zu verbringen. Eine inspirierende Haltung, die während dieser Reise immer wieder spürbar war.

Björn war begeisterter Geologe und erklärte uns während der Reise oftmals etwas über die Landschaft, an der wir vorbeifuhren. Dabei machte uns das Expeditionsteam immer wieder auf einzelne Punkte entlang der Strecke aufmerksam – beispielsweise auf die Bergsøysundbrücke, die Leuchttürme Kjeungskjær und Burholmråsa Fyr, die Höhle Halvikhula, die Lyngen-Alpen oder die Landschaft entlang des Sundes von Gibostad bis Finnsnes. All diese Informationen waren sehr wertvoll, da man sonst vermutlich an manchem einfach vorbeigefahren wäre.

Auch die Polartaufe bei der Überquerung des Polarkreises, die Informationen bei den Panoramapassagen sowie die morgendlichen Begrüßungen und abendlichen Veranstaltungen gehörten zur persönlichen Begleitung durch das Expeditionsteam.

Dann zeigte Norwegen, warum wir diese Reise gemacht hatten

Eines der ersten großen Landschaftserlebnisse war die Fahrt durch den Lysefjord.

Vom Høgsfjord kommend, fuhren wir zunächst unter der niedrigen Lysefjordbrücke hindurch. Von dort grüßte sogar ein vorbeifahrender Lkw freundlich – eine unerwartete Geste, woraufhin ein Gegengruß von der Brücke unseres Schiffes ertönte. Eine kleine, herzliche Begegnung, die für mich sinnbildlich für die besondere Atmosphäre dieser Reise war.

Im Lysefjord selbst beeindruckte der lange Fjord mit seinem blauen Wasser und den senkrecht aufragenden Felswänden, die sich malerisch in der glatten Wasseroberfläche spiegelten.

Inmitten dieser gewaltigen Naturkulisse wirkte die legendäre Granitwand des Preikestolen vom Schiff aus fast unscheinbar. Erst durch die Menschen, die darauf nur als kleine Punkte zu erkennen waren, wurde seine enorme Höhe und Dimension wirklich greifbar.

Wenig später fiel der Blick auf das Kjerag-Massiv mit dem spektakulären Kjeragbolten – einem zwischen Felswänden eingeklemmten Findling. Die steilen Felswände wirkten gleichermaßen faszinierend wie respekteinflößend. Kurz kam sogar der Gedanke auf, dass hoffentlich kein Fels ins Rutschen gerät.

Am Ende des Fjords zeigte sich schließlich das kleine, idyllische Lysebotn. Trotz der mächtigen Felsen, die den Ort umgeben, war die Fjorddurchfahrt von einer beeindruckenden Stille geprägt. Das Schiff glitt nahezu lautlos durch den langen Fjord, sodass man einfach nur staunen und die Berglandschaft auf sich wirken lassen konnte.

Über den Polarkreis

Ein weiterer besonderer Moment war die Überquerung des Polarkreises, zu der natürlich auch die traditionelle und humorvolle Zeremonie der Polartaufe an Bord gehörte.

Für mich war die Überquerung des Polarkreises aber auch deshalb so eindrucksvoll, weil wir damit nun tatsächlich in der Arktis angekommen waren.

Unvergessen blieben auch die Begegnungen und Begrüßungen mit den Hurtigruten-Schwesterschiffen. Dabei war man für einen Moment Teil einer gelebten Hurtigruten-Tradition. Und wann immer das Typhon des Schiffes ertönte, weckte sein Klang eine starke Sehnsucht nach Seefahrt und Fernweh.

Im Trollfjord

Auch die Fahrt durch den Trollfjord ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Der Trollfjord ist ein schmaler Seitenarm des Raftsunds. An seiner engsten Stelle ist er nur ungefähr 100 Meter breit und von steil aufragenden Bergen umgeben.

Umso erstaunlicher war es, mit welcher Leichtigkeit und Eleganz sich die MS Finnmarken durch den engen Fjord bewegte. Zwischen den mächtigen Felswänden wirkte es beinahe so, als hätte die Landschaft das Schiff verschluckt. Eine wilde, geheimnisvolle Welt, fast ein wenig mystisch – ein Ort, an dem man sich gut vorstellen kann, dass der Sage nach Trolle schlafen.

Das Nordkap in der Mitternachtssonne

Das Nordkap spielte für unsere Reise natürlich eine besondere Rolle, denn mit dem Wunsch eines Mitreisenden, einmal im Leben das Nordkap zu sehen, hatte alles angefangen.

Eigentlich war geplant, das Nordkap vom Schiff aus am Morgen zu passieren. Doch der Kapitän änderte den Kurs, sodass wir das Nordkap am Abend passierten und im warmen Licht der Mitternachtssonne erleben konnten.

Während der Passage erklärte Björn einiges zur Landschaft rund um das Nordkap, den Knivskjellodden und die Gjesværstappan. Seine fachkundige Begleitung machte die von Wind und rauer See geformte Küstenlandschaft mit ihrer vielfältigen Vogelwelt greifbarer. So konnten wir diese faszinierende Szenerie bewusster wahrnehmen und gleichzeitig zahlreiche Seevögel wie Trottellummen, Papageientaucher und Basstölpel beobachten.

So erlebten wir das Nordkap nicht nur bei unserem Landausflug, sondern konnten es zusätzlich vom Meer aus bewundern.

Blick vom Heck der MS Finnmarken auf einen Regenbogen über dem Meer am Nordkap
Abendstimmung am Nordkap: Ein Regenbogen spannt sich über dem Meer hinter der MS Finnmarken. Foto: Bordfotografin Cat Gundry-Beck

Ein Ort, an dem ich gerne geblieben wäre

Das idyllische Landschaftsbild rund um Sæbø und den Hjørundfjord, eingerahmt von den malerischen Sunnmøre-Alpen, werde ich wohl nie vergessen. Diese Komposition aus kristallklarem und tiefblauem Fjord, majestätischen Bergen und wohltuender Ruhe hat mich tief berührt.

Sæbø, ein kleines Dorf am Fjord, wirkt wie ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht. Grün bewachsene Berghänge säumen das Wasser, in dem sich die umliegende Natur spiegelt. Wasserfälle gleiten von den Berghängen herab, Wiesen reichen bis an die Ufer, und die Gipfel ragen, teilweise noch leicht mit Schnee bedeckt, in den Himmel.

Kleines Dorf Sæbø am Hjørundfjord mit grünen Wiesen und schneebedeckten Berggipfeln
Sæbø am Hjørundfjord: Grüne Wiesen, kleine Häuser und die schneebedeckten Gipfel der Sunnmøre-Alpen. Foto: Maren Sternberg

Für mich persönlich gehört der Hjørundfjord zu den schönsten Fjorden, die ich bisher erleben durfte. Doch vor allem war es dieses tiefe Gefühl von Gelassenheit, das mich dort begleitet hat. Am liebsten hätte ich noch Stunden an diesem Ort verweilt. Genau deshalb wird Sæbø für mich immer untrennbar mit Norwegen verbunden bleiben.

Was anders war als erwartet

Vor der Reise war meine einzige wirkliche Sorge die Seekrankheit. Wir hatten allerdings pures Glück mit dem Wetter. Dank Sonne, Wärme und kaum Wind gab es nur wenig Seegang, auch wenn natürlich schöne Wolkenspiele, bedeckter Himmel, frische Temperaturen und etwas Nieselregen zum hohen Norden dazugehörten.

Die See war auf unserer Reise wesentlich ruhiger, als wir vorher erwartet hatten. Lediglich leichter Seegang sorgte für ein wenig Bewegung des Schiffes, was allerdings nicht unangenehm wurde. Dabei komme ich persönlich ohnehin gut mit Seegang zurecht.

Die Sieben Schwestern haben wir dagegen leider nicht richtig gesehen. Auf der Fahrt Richtung Norden passierten wir die charakteristische Bergformation bereits in den frühen Morgenstunden, während wir auf der Rückfahrt erst am Abend dort unterwegs waren. Der leicht wolkenverhangene Himmel ließ jedoch auch dann keinen ungetrübten Blick auf dieses Naturensemble zu, sodass es nicht möglich war, diesen berühmten Anblick bewusst zu erleben.

Etwas anders als erwartet war auch die Sprache an Bord. An der Rezeption und im Restaurant wurde überwiegend Englisch statt Deutsch gesprochen. Für uns stellte das kein Problem dar. Insofern glaube ich, dass man mit etwas Offenheit und Flexibilität gut zurechtkommt, selbst wenn man sich im Englischen vielleicht nicht ganz so sicher fühlt.

Ausflüge oder auf eigene Faust?

Während der Reise haben wir sowohl organisierte Ausflüge unternommen als auch einige Orte auf eigene Faust erkundet.

Jeder Ausflug hatte seinen Charme: Abwechslungsreiche Landschaften, vielfältige Flora und Fauna sowie die regionale Kultur verliehen den Touren ihren individuellen Charakter. Die Ausflüge wurden von ortskundigen, deutschsprachigen Reiseleitern begleitet, die uns mit interessanten Geschichten und persönlichen Einblicken die Besonderheiten der jeweiligen Regionen näherbrachten.

Dabei zeigte sich, wie facettenreich und zauberhaft Norwegen sein kann. Während auf Senja und den Lofoten imposante Panoramen, traumhafte Strände und türkisblaues Wasser begeisterten, vermittelte die karge und ursprüngliche Tundra der Finnmark ein Gefühl von Weite. Zugleich gab uns die Kultur der Sámi Einblicke in eine eng mit der Natur verbundene Lebensweise.

Ein besonderes Highlight war für uns die Fahrt zum Nordkap und der Moment, als wir schließlich an der Globus-Skulptur standen – einem der nördlichsten Punkte Europas.

Alle drei Ausflüge würden wir wieder machen, da uns jeder Norwegen auf seine eigene Weise nähergebracht hat. Dabei haben wir uns bewusst für die Bustouren entschieden, weil wir als Familie unterwegs waren und uns wichtig war, die Interessen und Möglichkeiten aller zu berücksichtigen und die Augenblicke gemeinsam zu erleben.

Bei einer weiteren Reise würde ich vielleicht auch einmal eine aktivere Tour ausprobieren, zum Beispiel eine Wanderung oder eine Kajaktour.

Viele Orte haben wir dagegen selbst erkundet. Dazu gehörten das kleine Kopervik, aber auch die Hafenstädte Bergen, Tromsø und Stavanger sowie die Insel Træna und das Küstenfischerdorf Bessaker. Vieles konnte man zu Fuß erreichen, und wo das nicht möglich war, gab es teilweise einen Shuttle.

Mir hat beides gefallen. Bei den Bustouren konnten wir uns zurücklehnen und bekamen durch die Reiseleiter viele Informationen, während wir in den anderen Häfen einfach losgingen und schauten, was es zu entdecken gab.

Essen an Bord: Was uns tatsächlich in Erinnerung geblieben ist

Wir haben während der Reise ausschließlich im Restaurant Flora gegessen. Die beiden anderen Restaurants Røst Fine Dining und die Brasserie Árran haben wir nicht ausprobiert.

Das Flora hat uns gut gefallen. Das Restaurant ist hell, bietet eine schöne Aussicht und hat überwiegend kleinere Tische mit maximal vier Personen. Bei voller Auslastung war es natürlich etwas lebhafter, insgesamt empfanden wir die Atmosphäre aber als angenehm.

Beim Frühstück und Mittagessen gab es ein Buffet mit freier Platzwahl. Abends hatten wir eine feste Tischzeit und einen festen Tisch, was uns gut gefallen hat.

Das Abendessen wurde à la carte serviert. Dabei gab es jeweils ein Gericht pro Gang. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein samisch inspiriertes Menü. Als Vorspeise gab es arktischen Fisch mit Knäckebrot, anschließend Rentier und zum Dessert Moltebeeren.

Generell spielten norwegische und regionale Lebensmittel eine große Rolle. Beim Frühstück gab es beispielsweise Lefse und Svele. Dazu kamen Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse, Kräuter, Algen und Beeren sowie Lamm und Rentier.

Besonders gerne mochte ich den Käse mit hausgemachter Marmelade. Den werde ich tatsächlich vermissen.

Auch ein norwegischer Kuchen mit Mürbeteig und Mandelcreme ist mir in Erinnerung geblieben.

Etwas, bei dem ich zunächst skeptisch war, waren die knusprig gebratenen Kabeljauzungen. Die haben dann aber überraschend gut geschmeckt.

Am Dessertbuffet gab es zu Stoßzeiten manchmal eine längere Schlange. Das war eigentlich der einzige Punkt, der mir beim Essen etwas negativ aufgefallen ist.

Die Momente, die geblieben sind

Wenn ich an die Reise zurückdenke, sind mir drei Momente besonders in Erinnerung geblieben.

Sæbø – der Fjord und die Berge drumherum strahlten eine friedliche Ruhe aus. Es war einer dieser seltenen Orte, an denen man das Gefühl hatte, einfach bleiben zu wollen. Die Zeit dort zu verbringen, war so kostbar, dass ich noch stundenlang hätte verweilen können.

Unvergessen bleiben mir auch die Begegnungen mit den Hurtigruten-Schwesterschiffen. Wenn sich die Schiffe begegneten und das Typhon erklang, war das jedes Mal ein eindrucksvoller Augenblick gelebter maritimer Tradition – ein Gefühl, das mein Herz berührte und Fernweh weckte.

Und dann war da natürlich die Überquerung des Polarkreises und das Nordkap.

Gerade das Nordkap hatte für uns eine große Bedeutung. Schließlich war der Wunsch eines Mitreisenden, einmal im Leben das Nordkap zu sehen, überhaupt der Ausgangspunkt unserer Reise gewesen.

Diesen Moment gemeinsam als Familie zu erleben, war für mich etwas Besonderes.

Würden wir die Nordkap-Linie noch einmal fahren?

Ganz klar: Ja.

Die norwegische Küste hat mich mehr bewegt, als ich es vorher erwartet hatte. Die Nordkap-Linie war für mich mehr als nur eine Reise entlang der Küste. Besonders die Vielfalt der Landschaft mit ihren Fjorden, Inseln und Bergen wird mir nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Auch das Leben an Bord habe ich als entspannt und unkompliziert empfunden. Mir gefiel die überschaubare Größe des Schiffes. Gleichzeitig schätzte ich es sehr, jederzeit an Deck gehen zu können, um die Landschaft auf mich wirken zu lassen und innezuhalten.

Ebenso bereichernd waren die unterschiedlichen Hafenorte und Landausflüge, die die vielen Facetten Norwegens zeigten – von den abgeschiedenen Inseln Træna und Senja über die unverwechselbare Welt der Lofoten bis hin zu den lebendigen und farbenfrohen Städten entlang der Küste.

Mit jeder Seemeile veränderte sich das Landschaftsbild. Vom grünen Süden bis hin zur kargen Landschaft der Finnmark gab es immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Die Fahrt vom Meer aus eröffnete dabei eine ganz eigene Sicht auf Norwegen und machte die Küste auf eine Weise erlebbar, wie es an Land nicht möglich gewesen wäre. Gerade dieser Wechsel hat für mich den Charakter dieser Reise ausgemacht: Entdecken, ankommen, staunen, wieder ablegen – und dabei immer weiter nach Norden reisen.

Eines hat diese Reise ganz sicher hinterlassen: Die Sehnsucht nach Norwegen, nach der Weite, dem Meer und dem Gefühl, einfach unterwegs zu sein, ist noch größer geworden.


→ Alles über die Nordkap-Linie ab Hamburg

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Portrait Autor

Roland Kock
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